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100 Jahre vhs

Historische Spurensuche in Regensburg

Von Michaela Gebhard, Katharina Drummer und Kathrina Czech

Auch in Regensburg wird 2019 groß gefeiert. Nicht nur die Gründung der Volkshochschule, sondern auch der Start für die Stadtbücherei geht in Regensburg auf einen Stadtratsbeschluss vom 24. Juli 1919 zurück. Erforscht war die Geschichte der beiden großen kommunalen Bildungseinrichtungen bisher aber wenig. Darum rief die Volkshochschule bereits Ende 2017 interessierte Bürgerinnen und Bürger dazu auf, unter Anleitung von Historikern in einer Geschichtswerkstatt auf Spurensuche zu gehen.

Die Geburtsstunde von Volkshochschule und Stadtbücherei in Regensburg

In Regensburg knüpfte die Gründung der Volkshochschule an das bereits vor dem Ersten Weltkrieg bestehende Volksbildungswesen an, das mitunter durch den „Liberalen Verein der Stadt Regensburg und Umgebung“ (1869–1912) offeriert wurde. Am 24. Juli 1919 beschloss schließlich der Stadtrat „…, dass an die Fortbildungsschule Volksbildungskurse sowie eine Volksbücherei angegliedert werden, so wie ein Lese- und Vortragssaal bereitgestellt werden.“ Dieses Datum darf als Geburtsstunde der Regensburger Volkshochschule und der Stadtbücherei gelten. Ziel war es, den Zugang zu Bildung für alle zu ermöglichen und die Demokratie zu stärken – heute genauso wichtig wie damals.

Erforscht und dokumentiert ist die folgende gemeinsame Geschichte allerdings sehr wenig. Eine Arbeit von Dr. Hermann Hage aus dem Jahr 1994 zeigt die Entwicklung der Volkshochschule seit der Gründung in der Weimarer Zeit bis Mitte der 1990er Jahre auf. Zur Geschichte der Stadtbücherei gab es bislang keine Forschungen.

Katharina Drummer (r.), Dozentin für Geschichte und Deutsch als Fremdsprache, leitet die Geschichtswerkstatt in Regensburg und ist für die Darstellung der Ergebnisse in einer Publikation mit Chronik- und Bildteil verantwortlich.

Auf Spurensuche mit der Geschichtswerkstatt

Die Geschichtswerkstatt nahm im Herbst 2017 ihre Arbeit mit sechs Personen auf. „Wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden, keine wissenschaftliche Forschungsarbeit zu vergeben, sondern interessierte Bürgerinnen und Bürger, angeleitet und unterstützt von zwei Historikern, ganz aktiv in die Nachforschungen miteinzubeziehen“, berichtet Michaela Gebhard, die als Leiterin des Programmbereichs Gesellschaft an der vhs Regensburg die Geschichtswerkstatt von Anfang an begleitete.

„Aufgeteilt in Gruppen ergründeten wir die Regionalgeschichte der Volkshochschule und Stadtbücherei unter verschiedenen Gesichtspunkten, wie der Entwicklung der beiden Institutionen, Angebote und Programmhefte, Werbung und Presse. Wir forschten in Archiven und privaten Dokumenten und sprachen mit Zeitzeugen. In regelmäßigen Abständen trafen wir uns wieder und trugen die Ergebnisse zusammen“, erzählt Katharina Drummer, die als Dozentin für Geschichte die Geschichtswerkstatt leitet.

Zu Tage gefördert wurden der besagte Beschluss des Stadtrats im Original, das erste vhs-Programmheft aus dem Jahr 1919, Pläne für eine mobile Bücherei aus verschiedenen Jahrzehnten, Titelblätter, Plakate und zum Teil bisher ganz unbekannte Details wie ein eigens für die Regensburger Volkshochschule komponierter Marsch. Über die Ergebnisse wird eine Publikation erscheinen und mit detaillierter Chronik sowie reich bebildertem Katalog-Teil einen interessanten, oft auch amüsanten Einblick in die 100-jährige Geschichte geben.

Neben der Publikation feiern die beiden Regensburger Einrichtungen ihr großes Jubiläum mit einem Festakt und anschließendem „Langen Abend des Wissens“ am 24. Juli 2019, einem Veranstaltungsprogramm „Gemeinsam durch den Sommer“ und schließlich mit der Beteiligung an der „Langen Nacht der Volkshochschulen“ am 20. September 2019. |

Mitte 1958 zieht die Volkshochschule in das „Bildungs- und Begegnungshaus“ im Thon-Dittmer-Palais am Haidplatz 8 in Regensburg.

Historie der vhs Regensburg

Das Programm der Volkshochschule bot in den ersten Semestern nach der Gründung 1919 schwerpunktmäßig die Wiederauffrischung bzw. grundlegende Vermittlung schulischer Kenntnisse und Fertigkeiten, um die im Ersten Weltkrieg verloren gegangenen Ressourcen aller Schichten des Volkes zu kompensieren. Volkshochschule und die angegliederte Volksbücherei fanden immer größeren Zuspruch und das Programm wuchs stetig bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten, die deutschlandweit alle Inhalte und Konzepte der Erwachsenenbildung ausschließlich der nationalsozialistischen Kultur-, Wissenschafts- und Bildungspolitik unterordneten.

Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Systems wurde im Rahmen der Regensburger Kulturtage am 26.1.1947 offiziell die Wiedereröffnung der Regensburger Volkshochschule gefeiert und der Betrieb wieder aufgenommen. Im ersten Semester nach dem Wiederbeginn verzeichnete die Volkshochschule bereits 3498 Hörer. Der „neue“ Lehrplan gliederte sich in Grundkurse (z. B.: Richtiges Deutsch, Kaufmännisches Rechnen, Buchführung oder Maschinenschreiben), wissenschaftliche und allgemeinbildende Aufbaukurse (Religion, Philosophie und Rechts-, Staats- und Wirtschaftswissenschaften u.a.) und Sonderveranstaltungen mit Gastvorträgen.

Der im September 1948 aus Volkshochschule und Literarischer Gesellschaft Regensburg gegründete „Volksbildungsverein Regensburg e.V.“ blieb bis zur Kommunalisierung im Jahr 1973 Träger der vhs. Seit 1974 steht sie unter städtischer Regie und ist seit 2004 mit der Stadtbücherei im Amt für Weiterbildung vereint.

Bildung kommt zu den Menschen: Ab Mitte der 1950er Jahre befindet sich ebenfalls das Deutsch-Amerikanische-Institut in den Räumlichkeiten des Thon-Dittmer-Palais. Erstmals wird eine fahrbare Bücherei ins Leben gerufen, um die Büchernot der Bevölkerung zu überbrücken und Gemeinden zur Gründung einer eigenen Bücherei anzuregen.

In den 1960er Jahren zogen Volkshochschule und Stadtbücherei in ihren Hauptsitz im Thon-Dittmer-Palais am Haidplatz ein. Daneben etablierte sich im Thon-Dittmer-Palais – zusammen mit einer amerikanischen Bibliothek – das Deutsch-Amerikanische Institut (kurz DAI), eine der in Deutschland zahlreich eröffneten Einrichtungen der amerikanischen Re-orientation-Politik nach dem Zweiten Weltkrieg.

Neben zahlreichen Zweigstellen im gesamten Stadtgebiet wurden 2010 im Süden der Stadt und schließlich 2015 im Osten eigene „BildungsCenter“ eröffnet, in denen Volkshochschule und Stadtbücherei unter einem Dach sind. Heute bietet die Volkshochschule der Stadt Regensburg ein Programm mit knapp 2.000 Veranstaltungen und über 36.000 Teilnehmern (2017).

ist Leiterin der Programmbereiche Gesellschaft und Lebensart an der Volkshochschule der Stadt Regensburg und begleitete die Geschichtswerkstatt seit der ersten Stunde.

Michaela Gebhard

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Stadt Regensburg, Peter Ferstl
  • vhs Regensburg
  • Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser
  • Stadt Regensburg (Fotograf Stefan Effenhauser)

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